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Vor Ort oder Remote? Simultandolmetschen (RSI) im Vergleich

Wann lohnt sich Präsenzdolmetschen mit Kabine, wann Remote Simultaneous Interpreting (RSI) über Zoom & Co.? Entscheidungskriterien für Eventplaner: Latenz, Kosten, Technik und Zuhörer-Erlebnis.

Vor Ort oder Remote? Simultandolmetschen (RSI) im Vergleich

Vor Ort oder Remote? Simultandolmetschen (RSI) im Vergleich

Seit 2020 ist Remote Simultaneous Interpreting (RSI) fester Bestandteil der Veranstaltungsplanung. Zoom, Interprefy, KUDO oder Interactio machen es möglich, Konferenzen ohne Kabine, ohne Anreise und mit Dolmetscher:innen aus aller Welt zu bespielen. Trotzdem bleibt der klassische Vor-Ort-Einsatz mit schallisolierter Kabine der Goldstandard – aus guten Gründen. Dieser Leitfaden ordnet die wichtigsten Entscheidungskriterien für Event- und Kommunikationsverantwortliche.

1. Latenz und Redefluss

Vor Ort: Dolmetscher:innen in der Kabine hören den Raum direkt, sehen Redner:innen, Folien und Publikum. Verzögerung: wenige hundert Millisekunden. Zwischenrufe, spontane Nachfragen und Podiumsdiskussionen laufen ohne Bruch.

Remote (RSI): Zwischen Mikrofon, Encoder, Cloud-Plattform, Dolmetscherkonsole und Zuhörer-Endgerät entstehen 300–800 ms zusätzliche Latenz. Bei stabiler Leitung kaum wahrnehmbar; bei schwankendem Upload oder Video-Aussetzern spürbar. Für sehr dynamische Debatten oder eng getaktete Q&A-Formate ist Vor-Ort meist überlegen.

2. Kosten

Vor Ort: Tageshonorare, Reisezeit, Übernachtung, Kabine, Technik und Tontechnik-Personal. Für eintägige internationale Konferenzen realistisch ein vier- bis fünfstelliger Betrag – abhängig von Sprachen, Standort und Programm.

Remote: Es entfallen Anreise, Übernachtung und die physische Kabine. Stattdessen fallen Plattformgebühren, ein Hub-Studio (bei Bedarf), Technik-Support und ein Video-Feed an. Insgesamt oft 30–50 % günstiger – aber nicht "kostenlos". Der teuerste Posten bleibt die Dolmetscherleistung selbst, die sich nicht sinnvoll komprimieren lässt.

3. Technische Zuverlässigkeit

Vor Ort: ISO-konforme Kabinen (ISO 4043), redundante Konferenztechnik, professionelle Tonmeister. Ausfallrisiko planbar. Der Ton kommt aus dem Saalmischer – Qualität ist reproduzierbar.

Remote: Steht und fällt mit der Audioqualität am Eingang. Ein einziger Redner mit Laptop-Mikrofon, WLAN und geöffnetem Fenster kann eine ganze Konferenz gefährden – nicht weil Dolmetscher:innen schlechter arbeiten, sondern weil sie schlicht nichts Verwertbares hören. Für RSI zwingend: Headsets nach ISO 20108/20109, kabelgebundenes Internet bei allen aktiven Sprecher:innen, Test-Call vorab.

4. Zuhörer-Erlebnis

Vor Ort: Publikum wählt den Kanal über Empfänger oder App, sieht die Bühne, spürt den Raum. Netzwerken, Pausengespräche und informelle Verhandlungen finden in derselben Sprache statt, die gerade gedolmetscht wurde – wichtiger Faktor bei M&A-Verhandlungen, Betriebsversammlungen oder Fachkongressen.

Remote: Teilnehmende schalten zwischen Sprachkanälen bequem im Browser, Aufzeichnungen und Untertitel sind einfacher zu produzieren. Reichweite steigt: Kolleg:innen aus anderen Zeitzonen sind ohne Flug dabei. Nachteil: Bildschirmmüdigkeit, weniger Bindung, kaum spontane Gespräche.

5. Hybrid als dritter Weg

Immer häufiger sinnvoll: Kernpublikum und Podium vor Ort mit klassischer Kabine, zusätzlich RSI-Feed für externe Teilnehmende. So bleibt das Bühnenerlebnis erhalten, während internationale Stakeholder ohne Reisekosten zugeschaltet werden. Voraussetzung: eine Kabine mit Streaming-Ausgang und ein Technik-Team, das beide Welten sauber verbindet.

Entscheidungshilfe auf einen Blick

Vor Ort wählen, wenn: hoher Anteil vertraulicher oder sensibler Inhalte (Aufsichtsrat, Schiedsverfahren, Betriebsrat), Podiumsdiskussionen mit vielen Wortmeldungen, Presseevents, mehrtägige Kongresse mit Networking-Charakter, Räume ohne stabile Internetanbindung.

Remote wählen, wenn: global verteiltes Publikum, kurze interne Formate (Townhall, Webinar, Investorenupdate), enges Budget, klare Agenda mit disziplinierten Sprecher:innen, gute Studio- oder Homeoffice-Ausstattung aller Beteiligten.

Hybrid wählen, wenn: Ihr Kernevent physisch stattfindet, aber internationale Gäste zugeschaltet werden – oder wenn Sie Aufzeichnungen mehrsprachig weiterverwerten möchten.

Fazit

Es gibt keine pauschal "bessere" Lösung. Die richtige Frage lautet nicht "Vor Ort oder Remote?", sondern: Welche Wirkung soll die Veranstaltung entfalten – und welches Setting trägt sie? Wer früh mit erfahrenen Konferenzdolmetscher:innen plant, spart nicht nur Kosten, sondern schützt die inhaltliche Qualität. Gerne beraten wir Sie zu Ihrem konkreten Format – mehr zu unseren Dolmetsch-Leistungen oder direkt Kontakt aufnehmen.

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